AKADEMGORODOK

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Zahlen und Fakten

Summer in Akademgorodok

Im sibirischen Teil der Akademie der Wissenschaften sind 16 internationale Wissenschaftszentren angesiedelt, z.B. das internationale Zentrum für Tomographie, das internationale Zentrum für humanistische und biosphäre Forschung und das internationale Zentrum für aerophysische Forschungen.
In 37 Forschungsinstituten und Entwicklungslabors des Wissenschaftszentrums sind ca. 17.000 Menschen tätig, darunter 84 Mitglieder der russischen Akademie der Wissenschaften und 3.750 Doktoren.
Seit 1958 wurden etwa 20.000 Fachkräfte an der Staatlichen Universität in Novosibirsk ausgebildet, die zu den drei renommiertesten Universitäten Russlands zählt.
An den 8 Fakultäten der Staatlichen Universität studieren z.Zt. ungefähr 4.000 Studenten. Annähernd 500 Studenten graduieren alljährlich an der Fakultät für Physik und Mathematik. 200 davon verfügen ebenso über überdurchschnittliche Kenntnisse im Bereich der Informationstechnologien.


Historische und geographische Wurzeln von Akademgorodok

Russian Federation In der russischen Sprache steht das Wort "Gorodok" für eine kleine Provinzstadt. Üblicherweise verhalten sich die Großstädte gegenüber der Provinz sehr überheblich. Hier verhält es sich allerdings etwas anders als sonst in den Beziehungen zwischen Zentrum und Provinz.

Mit Tatendrang und großer Begeisterung verliessen hervorragende Wissenschaftler ihre Heimat in Moskau, Leningrad oder Kiew, um in einem kleinen sibirischen Ort, der sich noch im Aufbau befand, Wissenschaft zu betreiben, um die Ungleichheit in der Verteilung des wissenschaftlichen Potenzials und der Ressourcen zu beseitigen.

Russland ist ein riesiges Land, aber die Wissenschaft ist nur in einigen Städten konzentriert. Die begeisterten Gelehrten von damals haben ihren Gründungsdrang und ihre Verantwortung für die russische Wissenschaft selber in die Hand genommen, um in Akademgorodok eine sibirische Stadt der Wissenschaft aufzubauen.

Winter in Akademgorodok Akademgorodok liegt 40 Km südlich von Novosibirsk, einem Industriezentrum an der Strecke der Transsibirischen Eisenbahnlinie, das über einen modernen Flughafen und gute Infrastruktur verfügt.

Akademgorodok sollte der Denkapparat, das Gehirn Sibiriens werden. Dazu haben die Wissenschaftler auch auf den Gebieten der Kultur und des gesamten Lebensstils alle Anstrengungen unternommen, um in dieser, damals eher unterentwickelten Gegend, in allen Bereichen ein hohes Niveau zu erreichen.

Als Gründungstag gilt der 18. Mai 1957, als die russische Regierung die Entscheidung für die Gründung der sibirischen Abteilung der Akademie der Wissenschaften traf. Die Gründungsväter und Vorreiter dieses Projektes waren die Akademiemitglieder Michael Lavrentiev, Sergei Sobolev und Sergei Christianovitsch. Dieses sind einige, die genannt werden, andere treten als Namensgeber von Straßen oder Forschungseinrichtungen auf. An sie erinnern Symposien und Konferenzen, Stipendien für besonders begabte Studenten oder Forschungspreise.

Die Ideale von damals leben in dieser Stadt der Wissenschaft weiter: interdisziplinäre Forschung, Offenheit gegenüber neuen Ideen und Ansätzen, Förderung der Jugend und Schutz der Natur, insbesondere des Waldparks in Akademgorodok.

Die Erfahrungen und der Geist der Gründer sind ein gutes Beispiel dafür, dass es einen Ausweg aus der komplizierten Lage Russlands, insbesondere aus wirtschaftlicher Sicht, geben kann. Ihre führende Stellung in der Welt als eine der wissenschaftlichsten Städte konnte Akademgorodok trotz aller Widrigkeiten behalten.


Die wissenschaftlichste Straße der Welt

Lavrentev Prospect Die Forschungsinstitute stehen entlang der Lavrentiev Allee, die Straße, die schon seit langem im Guinness Buch der Rekorde als die wissenschaftlichste Straße der Welt aufgeführt ist.

Zu Beginn an war geplant, dass die Stadt zum Zentrum interdisziplinärer Forschung werden sollte. Die Zusammenarbeit von Geologen, Biologen, Chemikern, Physikern, Mathematikern, Elektrotechnikern, Informatikern und anderen hatte zur Folge, dass neue Thematiken angegangen werden konnten und Forschungsmittel bewilligt wurden. Ein Beispiel der Arbeit ist die synchrotone Strahlung, ein Nebenprodukt der Grundlagenforschung des Budker-Instituts für Kernphysik.

Die synchrotone Strahlung ist eine Strahlung, die zehn- bis hundertmal stärker ist als die Röntgenstrahlung. Das Interesse an diesem allgemeinen Forschungsverfahren wird weiter steigen, da sich der Kreis der Anwender weit über die Grenzen von Akademgorodok ausgedehnt hat. Das Butger-Institut hat bereits das Internationale Zentrum für synchrotone Strahlung gegründet.

Auf den Computer möchte man oder kann man heute nicht mehr verzichten. Insbesondere trifft dies auf die wissenschaftliche Forschung zu. Die Informationstechnologie ist auch deshalb zu einem eigenständigen Forschungsgebiet geworden. In 37 Instituten von Akademgorodok arbeiten hunderte von hochqualifizierten Programmierern, die die Software und Anwendungen nicht nur für eigene Forschungsprojekte entwickeln. Natürlich werden die für die Forschungsinstitute entwickelten Anwendungen auch auf verschiedenen internationalen Märkte erfolgreich vermarktet.

Die Herstellung von Kontakten zu ausländischen Partnern in der Wissenschaft ist ein entscheidender Erfolgsfaktor für Akademgorodok. Zur Zeit sind in der Sibirischen Abteilung der Akademie der Wissenschaften 16 internationale Wissenschaftszentren konzentriert. Das internationale Zentrum für Katalyse hat seinen Sitz im Boreskov-Institut für Katalyse. Hier gibt es beispielsweise sehr enge Verbindungen zu Universitäten, Forschungseinrichtungen und Unternehmen in Großbritannien, Italien, USA, Indien, Bulgarien und Ungarn. Das internationale Zentrum für Tomographie ist Ergebnis gemeinsamer Anstrengungen der führenden Wissenschaftler auf dem Gebiet der Radiofrequenzspektroskopie. Es ist im Forschungsinstitut für chemische Kinetik untergebracht; die Mitarbeiter führen ihre Forschungen auf Tomographiegeräten im Institut für Mathematik durch.

Das internationale Zentrum für humanistische und biosphäre Forschungen ist durch die gemeinsame Anstrengung der Institute für Archäologie und Ethnographie sowie des Instituts für Zytologie und Genetik gegründet worden.

Das internationale Zentrum für aerophysische Forschungen ist eine Abteilung des Forschungsinstituts für theoretische und angewandte Mechanik.

Eine Vielzahl von ausländischen Unternehmen haben in Akademgorodok ihre Partner, Vertretungen und Abteilungen. Darunter befinden sich die Unternehmen Oracle, Sun Microsystems und Hewlett Packard.

Heute sind in 37 Forschungsinstituten und Labors des Wissenschaftszentrums Akademgorodok etwa 17.000 Menschen tätig, darunter 84 Mitglieder der russischen Akademie der Wissenschaften und 3.750 promovierte Wissenschaftler. Dies ist ein bedeutendes Potenzial, das trotz der ökonomischen Widrigkeiten die Möglichkeiten für wichtige Forschungsarbeiten aufrechterhalten kann.


Sinn des Lebens

Novosibirsk State University Die Staatliche Universität Novosibirsk war von Beginn an ein untrennbarer Bestandteil von Akademgorodok. Sie wurde früher als viele der Forschungseinrichtungen gegründet, aber erst nachdem die örtlichen Schulen bereits erste hervorragende Ergebnisse im Bereich der Physik, Genetik, chemischer Katalyse und Mathematik erzielt hatten.

Nach einem Regierungsbeschluss wurde im Januar 1958 schließlich die Staatliche Universität Novosibirsk, eine der drei führenden Universitäten Russlands, gegründet. Seit dieser Zeit hat die Universität etwa 20.000 Fachkräfte ausgebildet.

Zum grundlegenden Prinzip wurde die Regel "Die Wissenschaftler müssen lehren". Aus diesem Grund sind viele Professoren der Universität gleichzeitig führende Forscher in den Instituten von Akademgorodok. Neben den hervorragenden Lehrmeistern zogen auch viele talentierte Studenten nach Akademgorodok. An den 8 Fakultäten studieren heute 4.000 Studenten.

Ein weiterer Grundsatz besteht darin, dass junge Fachkräfte so früh wie möglich an die praktische Arbeit herangeführt werden sollen. Deshalb verfügen die meisten Studenten beim Abschluss ihres Studiums über gute praktische Kenntnisse. Für alle Studenten sind Grundkenntnisse im Umgang mit dem PC obligatorisch; viele von ihnen sind in der Lage, Software und Anwendungen selbständig zu entwickeln, die dann in ihrem Forschungsgebiet eingesetzt werden.

In Akademgorodok gibt es zwei spezielle Schulen, die zur Aufgabe haben, die Talente der jungen Studenten herauszufinden und sie somit auf das Studium ideal vorzubereiten. Dies ist das College für Informatik und die berühmte Schule für Physik und Mathematik. Seit ihrem Bestehen hat die Schule ca. 10.000 Jugendliche ausgebildet, die aus allen Gebieten Sibiriens stammen, aber auch aus Mittelasien und dem Fernen Osten. Jährlich können sich ca. 70% bis 80% der Absolventen der Schulen für Physik und Mathematik an der Universität immatrikulieren.

Vor 25 Jahren wurde M.A.Lavrentiev von der Presse gefragt, welches seine wichtigsten Errungenschaften in seiner Karriere als bekannter Mathematiker, Fachmann für Mechanik und Vorsitzender der sibirischen Abteilung der Akademie der Wissenschaften waren. Er antwortete: " Der Klub junger Techniker und die Schule für Physik und Mathematik", weil "sie hier bleiben, wenn wir gehen."


Haus mit Blick in die Wälder

Akademgorodok Ein besonderer Reiz der wissenschaftlichen Stadt besteht auch in seiner Verbundenheit mit der Natur. Aus den Fenster der verschiedenen Einrichtungen und Labore kann man Bäume und Blumen sehen, die entlang der Straßen gepflanzt sind und in den Fußgängerzonen wachsen - Kiefern, Birken, Apfelbäume, Eschen...

Akademgorodok war und bleibt ein einzigartiger grüner Fleck in der Bebauungsplanung Sibiriens: kein Baum wurde ohne eine außerordentliche Genehmigung gefällt. Es gibt noch eine weitere Besonderheit, die zur Legende wurde: Die Akademie verbietet bei den Baukränen die Drehung der Ausleger, damit die Baumkronen nicht beschädigt werden.

Die Einwohner von Akademgorodok pflanzen mit Liebe und Eifer Tannen, Fichten, Linden Lärchen, ja sogar Jasmin und Kirschen. Am Stadtrand kann man den botanischen Garten finden. Hier sind über 500 verschiedene Sorten und Arten vertreten; häufig vergisst man, dass man sich in den hohen Breitengraden befindet.

Die Verbundenheit mit der Natur kann man das ganze Jahr beobachten. Je nach der Jahreszeit betätigen sich die Einwohner Akademgorodoks in ihrer freien Zeit als Skiläufer, Segler, Pilzsammler oder als Gärtner oder Angler. Durch diese besondere Verbindung zwischen Mensch und Natur zeichnet sich Akademgorodok als besonderer Platz für Leben und Arbeit aus.

Akademgorodok steht der ganzen Welt offen. Das internationale Interesse verrät ein Blick in die Gästebücher der zwei Museen: Geologisches Museum sowie das Museum für Geschichte und Ethnographie. Man findet dort die Namen bekannter Wissenschaftler, Politiker, und auch Künstler, Musiker und Schriftsteller aus der ganzen Welt.


 

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